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1.16 Outlaws/Transkription

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Informationen zu dieser Episode

RückblickBearbeiten

Ein kleiner Junge öffnet erschrocken seine Augen. Es ist der kleine Sawyer, der von einem lauten Hämmern an der Tür aus dem Schlaf aufgeschreckt wurde. Seine Mutter kommt in sein Zimmer gelaufen. Von draußen klingen wütende Schreie herein.

Sawyers Mom: Wach auf.

Sawyers Dad: [Von draußen] Mach die Tür auf!

Sawyers Mom: Er ist hier.

Sawyers Dad: [Von draußen] Aufmachen!

Sawyers Mom: Komm schon. Du musst aufstehen.

Der kleine Sawyer steht auf. Er sieht völlig verängstigt aus.

Sawyers Mom: Er wird denken, dass du noch bei Oma und Opa bist, okay? Versteck dich unter dem Bett. Los, hör mir zu, das ist wichtig. Versteck dich unter dem Bett und sei absolut leise.

Sawyers Dad: [Von draußen] Mach die Tür auf! Ruth, mach die Tür auf!

Sawyers Mom: Was immer auch passieren mag, du kommst nicht raus, okay?

Kleiner Sawyer: Okay.

Sawyers Mom: Oh Gott... [umarmt ihn] Ich liebe dich.

Kleiner Sawyer: Ich lieb dich auch, Mami.

Sawyers Mom: Also los. Runter mit dir.

Der kleine Sawyer krabbelt unter das Bett und kauert sich dort ganz still zusammen, während seine Mom hastig sein Bett macht und die Decke glattzieht bis es aussieht, als hätte niemand in dieser Nacht darin geschlafen.

Sawyers Mom: Es wird alles gut.

Damit verlässt sie das Zimmer. Und wir sehen von jetzt an alles aus der Perspektive des kleinen Jungen unter dem Bett. Er lauscht dem heftigen Streit seiner Eltern, doch sehen kann er nur den schmalen Streifen grellen Lichts, der unter der Tür durch einen Spalt hereinschimmert.

Sawyers Dad: Mach die Tür auf!

Sawyers Mom: Hör auf! Hör auf! Verschwinde! Hör auf damit! Was zum Teufel ist los mit dir? Ich ruf die Polizei! Du sollst verschwinden! Was hast du vor? Was willst du von mir?

Ein Schuss fällt, gefolgt vom Klang eines zu Boden fallenden Körpers. Sawyer zuckt unter seinem Bett zusammen, doch er gibt keinen Laut von sich. Dann plötzlich geht seine Zimmertür auf, grelles Licht fällt herein, und Sawyer sieht ein paar Beine quer durch den Raum auf sein Bett zugehen. Sie gehören seinem Vater. Er bleibt vor dem Bett stehen, dreht sich und setzt sich darauf. Ein Klicken ertönt. Und dann ein zweiter Schuss, als er sich selbst erschießt und auf dem Bett zusammenbricht.

InselabschnittBearbeiten

Sawyer wacht in seinem Zelt am Strand von einem Alptraum auf. Er keucht, sieht hektisch um sich und versucht, sich zu orientieren. Es ist stockdunkel ringsum. Plötzlich hört er ein Rascheln in seinem Zelt. Er greift nach seiner Taschenlampe und schaltet sie ein. Der Lichtstrahl fällt auf ein großes schwarzes Wildschwein, das seelenruhig in Sawyers Sachen herumwühlt. Sawyer springt auf, schnappt sich ein Metallrohr und geht damit auf das Schwein los, doch es entwischt ihm und rennt über den Strand in den dunklen Dschungel hinüber. Sawyer nimmt die Verfolgung auf, doch im dichten finsteren Buschwerk des nächtlichen Dschungels ist es einfach ein Ding der Unmöglichkeit.

Plötzlich klingt ein Flüstern aus dem Nichts um ihn herum auf.

Flüstern: Dafür büßt du eines Tages.

Sawyer sieht um sich, versucht dem Ursprung des Flüsterns auf den Grund zu gehen, doch er kann nichts finden. Er ist ganz allein im dunklen Dschungel.


SCHNITT zum nächsten Morgen. Sawyer räumt das Chaos auf, das das Wildschwein bei seinem nächtlichen Besuch in seinem Zelt hinterlassen hat. Sayid kommt auf ihn zu.

Sayid: Ein Wildschwein hat deine Plane...?

Sawyer: Es war zwar dunkel, aber ja, es war ein Wildschwein.

Sayid: Ich dachte, die Schweine hätten diese Gegend verlassen.

Sawyer: [Grimmig] Tja, Klugscheißer, da hat wohl jemand Mist erzählt.

Sayid: Was hat es denn in deinem Zelt gemacht?

Sawyer: Erst starrte es mich an und dann kam es näher. Also hab ich ihm eine verpasst und es verschwand im Dschungel.

Sayid: Mit deiner Plane. Vielleicht wollte es ja campen gehen.

Sawyer: [Verärgert] Findest du das lustig?

Sayid: [Grinst breit] Ja.

Sawyer: Ja... lach ruhig, Mohammed. Aber wenn ich zurückkomme und irgendwas fehlt, dann mach ich dich fertig.

Sayid wendet sich zum Gehen, immer noch sichtlich amüsiert. Sawyer ruft ihn noch einmal zurück.

Sawyer: Sayid? Was hast du gehört? [Sayid bleibt stehen und dreht sich verwundert zu ihm um] Nach deiner Begegnung mit der französischen Frau hast du irgendwas im Dschungel gehört.

Sayid: Ich war verletzt und völlig entkräftet. Mein Sinne haben mir einen Streich gespielt.

Sawyer: Was hast du gehört?

Sayid: Es klang wie Stimmen, die etwas flüstern.

Sawyer: Was haben sie gesagt?

Sayid: Wieso? Hast du auch etwas gehört?

Sawyer: [Überlegt es sich anders] Vergiss es. Ich hab nichts gehört.

RückblickBearbeiten

Sawyer und eine äußerst attraktive junge Frau betreten ein dunkles Hotelzimmer, eng umschlungen in einem leidenschaftlichen Kuss.

Frau: Wovor hast du denn so ne Angst?

Sawyer: Aber du zitterst doch, Süße.

Sie küssen sich wieder. Sawyer hebt sie hoch und legt sie auf das Bett. Und plötzlich geht das Licht an. Hinter ihnen in einem Sessel sitzt ein Mann, Hibbs.

Hibbs: Okay, das ist wirklich unangenehm.

Sawyer und seine Begleitung erstarren vor Schreck.

Hibbs: Aber wenn ich jetzt nichts sage, könnte die Sache leicht ins Peinliche abgleiten.

Sawyer: Hibbs.

Hibbs: Hallo, Sawyer. Ma’am, ich muss mich entschuldigen. Ich dachte, dass mein alter Freund Sawyer allein wäre. Es dauert nur ein paar Minuten.

Sawyer: [Zu seinem Mädchen] Hör zu, Baby -

Frau: [Beunruhigt] Baby, wer ist das?

Er schiebt sie sachte in Richtung Tür.

Sawyer: [Eindringlich] Hör zu, setz dich an die Bar und bestell dir was.

Frau: Nein. Nein, ich lass dich nicht hier.

Sawyer: Sobald ich ihn los bin, komm ich und hol dich. Ich erklär dir alles.

Frau: Aber - ich.. ich..

Sawyer: Hör zu. Du musst mir vertrauen. Ich komme gleich. Versprochen. Versprochen.

Er hat die Tür geöffnet, und schon steht sie im Flur, zögernd und unwillig, doch Sawyer schließt die Tür vor ihr. Dann dreht er sich mit einem grimmigen Blick zu Hibbs um.

Hibbs: Du hast es wirklich drauf, Schwerenöter. Wie du immer so schöne Frauen für deine Masche findest.

Sawyer schnellt vor und packt den Mann an der Gurgel, drückt ihn heftig gegen die Wand.

Sawyer: Wenn ich mich richtig erinner, hatte ich gesagt, dass ich dich umbringe, wenn ich dich je wiedersehen würde.

Hibbs: [Erstickt] Deswegen bin ich ja hier. Um alles zu bereinigen. Außerdem wissen wir doch, dass du kein Killertyp bist.

Sawyer lässt von ihm ab. Hibbs hält sich die schmerzende Kehle und keucht. Dann holt er einen Briefumschlag aus seiner Tasche und wirft ihn auf den Tisch.

Hibbs: Hier. Ich schätze damit sind wir quitt für den Tampa-Job.

Sawyer: Wie sollten wir bloß je quitt sein für den Tampa-Job?

Hibbs: Wie wäre es, wenn ich dir den Mann präsentiere, der dein Leben ruiniert hat? Ich mach mir'n Drink. Willst du auch einen?

Er geht an Sawyer vorbei, um sich einen Drink einzuschenken. Sawyer steht wie angewurzelt und starrt ihn finster an.

Hibbs: Du erinnerst dich doch noch an den alten Park, oder? Er hat für uns den Lockvogel bei der Sache in Atlanta gemacht.

Sawyer: Ja, was ist mit ihm?

Hibbs: Er hängt am Telefon für so'n Buchmacher in Sydney. Letzte Woche also ist einer seiner Stammkunden ein wenig ins Plaudern gekommen über seine große Zeit als Trickbetrüger. Dieser Kerl, Frank Duckett, ist'n trauriger Fall, ein spielsüchtiger Alkoholiker, verkauft jetzt Shrimps. Früher war dieser Duckett mal ein richtiger Draufgänger. Die romantische Tour war seine Masche. Er hat ne Frau angemacht und dann ihren Mann um sein Geld gebracht. Soll ziemlich gut gewesen sein, was man so hört. Bis eines Tages ein verzweifeltes Opfer erst die eigene Frau erschossen und dann sich selbst den Kopf weggeblasen hat. Sein Sohn hat alles mit angesehen.

Sawyer erstarrt einmal mehr. Sein Blick verdunkelt sich bei jedem einzelnen Wort mehr und mehr. Seine Zähne sind fest aufeinander gebissen, die Augen funkeln dunkel.

Hibbs: Ich hab Tony angeheuert. Es stellte sich heraus, dass Frank Duckett früher mal Frank Sawyer hieß. Der Name, den du, glaube ich, selbst verwendest.

Sawyer: [Starrt auf das Foto] Ist er das?

Hibbs: Das ist er.

InselabschnittBearbeiten

SCHNITT zum silbernen Halliburton-Koffer. Kate und Jack sind an einem abseits gelegenen Fleckchen im Dschungel und verstauen die Waffen wieder im Koffer. Kate gibt Jack die ihre.

Kate: Danke für die Leihgabe.

Jack: Immer wieder gern.

Kate: Und, hat jemand gefragt, wo die herkommen?

Jack: [Schüttelt seinen Kopf] Die anderen wissen von dem Marshal, wahrscheinlich denken sie, dass er nur im Flugzeug war, um sie vor Terroristen zu schützen. Ist doch auch ne gute Erklärung.

Er klappt den Koffer zu, schließt ihn sorgfältig ab und verstaut ihn wieder unter Stein und Gras. Sie wenden sich zum Gehen, Jack geht voran, Kate hinterher.

Kate: Hast du alle Pistolen wieder zurück?

Jack: Alle bis auf eine.

Kate: Wessen?

Jack: Rate mal. Du hast drei Versuche.

Kate: Sawyer. [Sie wirft ihm einen Blick zu] Ich kann sie dir bringen.

Jack: Wirklich? Wie willst du das anstellen?

Kate: Ich sprech seine Sprache.

Jack schüttelt den Kopf mit einem leicht fassungslosen Lächeln, dreht sich um und sieht sie an.

Jack: Das hast du schon mal versucht, Kate, und wenn ich mich richtig erinnere, musstest du mit ihm rummachen, und dann hatte er nicht einmal, was du von ihm wolltest.

Kate: [Sarkastisch] Ja, aber ich hab nur mit ihm rumgemacht, weil uns Folter nicht weitergebracht hat.

Nun bleibt Jack endgültig stehen und sieht sie an. Er lacht zwar ein wenig, aber sein Blick ist ernst.

Jack: Soll er die Pistole behalten. Das ist es nicht wert.

Kate: [Stichelnd] Meinst du, er wird mich erschießen, wenn ich frage?

Jack: [Ernst] Ich will nicht, dass du ihm was schuldest.

Damit wendet er sich ab und geht weiter. Kate bleibt noch einen Moment stehen und sieht ihm nachdenklich hinterher.


SCHNITT zu den Höhlen. Charlie sitzt auf einer Steinbrüstung und arbeitet an einem Wrackteil. Claire kommt langsam zu ihm hinüber.

Claire: Hey.

Charlie: [Ohne aufzusehen] Hi.

Pause. Claire wirkt unbehaglich, da Charlie überhaupt keine Notiz von ihr nimmt. Einen Moment lang weiß sie nichts mit sich anzufangen, sieht nur hilflos um sich, doch dann fasst sie sich ein Herz und setzt sich neben Charlie. Er wirft ihr einen kurzen Blick zu, unterbricht seine Arbeit jedoch nicht.

Charlie: Wie fühlst du dich?

Claire: Ziemlich schwanger. [Charlie lächelt ein wenig] Ich, ähm, ich hab geträumt letzte Nacht. Eigentlich waren es Erinnerungen. Du kamst auch drin vor.

Charlie: [Trocken] Entschuldige.

Claire: Ich dachte, ich frag mal, ob du spazieren gehen willst.

Sie sieht ihn bittend an. Und wieder breitet sich für einen Moment Stille aus. Doch zumindest lässt Charlie endlich seine Arbeit sinken und erwidert ihren Blick. Doch nur kurz.

Charlie: Leider nein. Ich muss noch.. was machen.

Claire: Na klar.

Charlie: Wir sehen uns nachher, okay?

Claire: Ja.

Damit steht er auf und lässt Claire einfach sitzen. Traurig sieht sie ihm nach.


SCHNITT. Sawyer streift auf der Suche nach seiner Zeltplane durch den Dschungel. Er entdeckt sie um einen Baumstamm gewickelt, schnappt sie sich, wirft einen ärgerlichen Blick in die Runde und macht sich auf den Rückweg zum Camp.

Plötzlich ist da wieder dieses Wispern.

Wispern: Dafür büßt du eines Tages.

Sawyer erstarrt und fährt herum. Da ist plötzlich deutlich ein Rascheln zu hören, Füße, die durch das Buschwerk rennen vermischt mit dem Grunzen eines Schweins. Sawyer rennt los, lässt die Plane fallen und versucht, sich vor dem heranpreschenden Wildschwein in Sicherheit zu bringen. Doch das Schwein ist schneller und rennt ihn um. Mit einem Aufschrei stürzt Sawyer in ein Matschloch. Das Schwein verschwindet zwischen den Büschen. Sawyer setzt sich langsam auf, er ist über und über mit Dreck beschmiert und außer sich vor Wut.

Sawyer: Dieses Miststück!


SCHNITT. Sawyer packt in seinem Zelt Sachen zusammen. Das Zelt sieht nach der nächtlichen Wildschweinattacke noch immer ziemlich mitgenommen aus. Von der fehlenden Plane ganz zu schweigen. Kate steht hinter der Wrackteilwand und sieht auf ihn herunter.

Kate: [Amüsiert] Ein Wildschwein.. hat das getan?

Sawyer: Letzte Nacht hat es mein Zelt verwüstet, und heute Morgen als ich mir meine Plane wiederholen wollte, greift es mich von hinten an und verschwindet im Wald wie ein Feigling.

Kate: Ein Wildschwein würde ohne Grund nie jemanden angreifen.

Sie geht um die Wand herum und betritt das Zelt.

Sawyer: [Frustriert] Danke schön, Wildschweinexpertin. Dieses schon. Das Vieh ist eine Plage.

Er greift nach seiner Waffe.

Kate: Was soll das?

Sawyer: Ich will Rache.

Kate: [Lacht] Hörst du dich reden? Es ist ein Wildschwein. Sag es Locke und er wird es töten.

Sawyer: [Stur] Auf keinen Fall. Das ist mein Kampf.

Er steht auf und wirft sich seinen Rucksack über die Schulter, bleibt knapp vor ihr stehen.

Kate: Du weißt doch gar nicht wie man Wildschweine jagd. Du wirst dich verirren, oder noch schlimmer.

Sawyer: Seit wann kümmert dich das?

Kate: Tut es gar nicht.

Sawyer: Gut. Wenn du mich dann entschuldigen würdest, ich hab nämlich noch ne Rechnung offen.

Er geht an ihr vorbei und schlägt den Weg zum Dschungel ein. Kate bleibt im Zelt zurück und sieht ihm amüsiert nach.

RückblickBearbeiten

Sydney. Sawyer geht einen Steg im Hafen entlang auf eine Baracke zu. Er sieht einmal links und rechts, ehe er die Tür aufschiebt und hineingeht. Drinnen im Halbdunkel steht ein Mann an einem Schweißgerät und hebt nicht mal den Kopf. Etwas weiter hinten in einem abgeteilten Raum entdeckt Sawyer einen zweiten Mann und geht zu ihm hinüber. Der Mann sieht auf.

Laurence: Ah, du bist wohl Hibbs Kumpel. [Ohne Umschweife holt er eine Waffe hervor, legt ein Päckchen Munition beiseite und checkt die Waffe] Hab'n paar mal mit ihm zusammengearbeitet in den Staaten. Ziemlich netter Kerl.

Sawyer: [Mit einem Bündel Geldnoten in den Händen] Er ist'n mieses Schwein.

Laurence: [Lacht leise in sich hinein] Genau. Das ist er. Ne kurze Einführung: In Australien ist der Besitz von Handfeuerwaffen nicht erlaubt. Dafür wirst du eingebuchtet.

Sawyer: Ich werd dich nicht verpfeifen.

Sie starren einander einen Moment lang an. Dann gibt Laurence Sawyer die Waffe, während der ihm das Geld gibt. Laurence fängt sofort an, die Noten zu zählen.

Laurence: Da ist noch was. Ich bin ja schon ne Weile dabei, und wenn jemand nach ner kompakten .375er mit Hohlspitzgeschossen fragt, dann will er weder drohen noch stehlen. Er will töten. Aber wenn es dann ernst wird und er merkt, dass er gar nicht geeignet ist für den Job...

Sawyer: [Spöttisch] Deine Verkaufsstrategie ist verbesserungswürdig.

Laurence: [Ernsthaft] Was ich damit sagen will ist, sieh einem Mann in die Augen und halt ihm ne Knarre an den Kopf, dann erst weißt du, wer du wirklich bist. Aber wenn du rausfindest, dass du kein Killer bist.. es gibt kein Rückgaberecht.

Sawyer: [Finster] Das sollte kein Problem sein.

InselabschnittBearbeiten

SCHNITT zum Strand. Hurley und Charlie schleppen Ethans in eine Decke gewickelten Leichnam hinter die Dünen in Richtung Dschungel, legen ihn dort im Gras ab.

Charlie: Hurley, es ist nett, dass du mir hilfst, aber das musst du nicht. Ich hab Ethan getötet, ich begrabe ihn auch.

Hurley: Ja, bis er von den Toten aufersteht. Alter, ich weiß genau wie's abläuft. [Charlie wirft ihm einen Blick zu] Es wird so aussehen, dass wir schreiend und heulend durch den Dschungel rennen. Natürlich schnappt er mich zuerst, weil ich so dick bin. Ich krieg leicht Krämpfe.

Charlie fängt einfach zu graben und sagt kein Wort. Hurley wirft ihm einen Blick zu. Er sieht zutiefst beunruhigt aus.

Hurley: Alles klar bei dir?

Doch Charlie gibt keine Antwort, sieht ihn nicht einmal an, gräbt nur verbissen weiter. Hurley lässt den Kopf hängen.

SCHNITT. Hurley läuft den Strand entlang hinüber zu Sayids Behausung. Sayid sitzt an seinem kleinen Schreibtisch, der von Papieren und Unterlagen übersät ist.

Hurley: Yo. Sayid. Kann ich dich was fragen?

Sayid: Natürlich.

Hurley: Hattest du auch das Golfkriegssyndrom?

Sayid: Das betraf die andere Seite.

Hurley: Ach ja, richtig. Wie nennt man denn dann so'n Schützentrauma?

Sayid: Posttraumatisches Stresssyndrom.

Hurley: Ja, das ist es. Hattest du mal sowas?

Sayid: Wieso fragst du?

Hurley: Ich mach mir Sorgen um Charlie.

Sayid: Was ist denn mit Charlie?

Hurley: Er hat jemanden getötet. Er hat ihm vier Kugeln in die Brust geschossen. Vielleicht redest du mal mit ihm.

Sayid wirft ihm einen nachdenklichen Blick zu.


SCHNITT. Sawyer streift auf der Suche nach dem Wildschwein allein durch den Dschungel. Er hält einen Stock in der Hand und biegt damit Zweige auseinander während er den Boden nach Fußspuren absucht. Plötzlich sieht er einen Abdruck in der schwarzen Erde und hockt sich hin, fährt vorsichtig mit der Hand darüber.

Kate: [Von hinten] Das ist ein Fußabdruck.

Sawyer verdreht genervt die Augen und sieht sich zu ihr um. Kate kommt zu ihm herüber.

Kate: Berücksichtigt man das Gewicht und die Schrittlänge würde ich sagen, dass du seit einer Stunde Boone folgst.

Sawyer: Hör mal -

Er steht auf und stellt sich vor sie.

Kate: Es könnte auch Charlie sein.

Sawyer: Ich find's gut, dass du dich so für meine Angelegenheiten interessierst, find ich wirklich. Also nimm es nicht persönlich, wenn ich dich bitte zu gehen.

Kate: Ich will eine Carte Blanche.

Sawyer: Was?

Kate: Ganz einfach. Ohne meine Hilfe wirst du das Wildschwein nicht finden.

Sawyer wendet sich sichtlich verärgert ab und nimmt seinen Weg wieder auf. Kate folgt ihm.

Kate: In den letzten Stunden hast du es geschafft, den Spuren von Menschen, Vögeln, einem Steinschlag und dir selbst zu folgen.. [Sawyer dreht sich um und wirft ihr einen grimmigen Blick zu. Kate grinst amüsiert] ..praktisch allem, außer einem Wildschwein. Du hast keine Ahnung, was du tust.

Sawyer: Carte Blanche...

Kate: Das bedeutet "Blankoscheck".

Sawyer: Ich weiß was das bedeutet.

Kate: Wenn ich mal irgendwann was von dir haben will - Medizin, Seife, egal was - dann krieg ich es. Ohne jede Frage. [Sie geht an ihm vorbei] Nimm an oder lass es.

Sawyer bleibt für einen Moment frustriert stehen, schüttelt seinen Kopf und seufzt.

Sawyer: Okay. Du hast es geschafft.


SCHNITT. Es ist Nacht geworden im Dschungel. Sawyer und Kate sitzen an einem kleinen Lagerfeuer. Kate starrt völlig in Gedanken versunken in die prasselnden Flammen. Sawyer holt eine kleine Likörflasche aus seiner Tasche und trinkt genüsslich einen Schluck.

Kate: Wo hast du das her?

Sawyer: Flugzeug.

Kate: Jack hat nach dem Alkohol gesucht.

Sawyer: [Grinst] Wie gut, dass ich ihn stattdessen gefunden hab.

Kate: [Nach einer Pause] Hast du noch mehr davon?

Sawyer: Ich hab noch von allem mehr, aber du hast deine Carte Blanche noch nicht.

Kate: [Lacht leise in sich hinein] Ist das ein Nein?

Sawyer: [Mit einem breiten Grinsen] Na gut, Schluckspecht. [Er holt eine weitere kleine Flasche hervor] Aber wenn du was trinken willst, musst du spielen. [Er schwingt die Flasche in der Luft hin und her]

Kate: Was denn spielen?

Sawyer: "Ich hab noch nie.."

Kate: Was?

Sawyer: [Er beugt sich etwas vor. Grinst] "Ich hab noch nie.."

Kate: Müsste ich wissen, was das bedeutet?

Er gibt ihr das Fläschchen.

Sawyer: Sieh es einfach als Gelegenheit, dich besser kennenzulernen. Ein Beispiel: Ich weiß, dass du noch nie auf dem College warst.

Kate: Woher weißt du das?

Sawyer: Wenn doch, würdest du "Ich hab noch nie.." kennen.

Kate schmunzelt, öffnet ihre Flasche und lehnt sich zurück.

Sawyer: Es ist ganz einfach. Du sagst "Ich hab noch nie" und dann beendest du den Satz. Wenn du's schon mal gemacht hast, trinkst du. Wenn du's noch nie gemacht hast, trinkst du nicht.

Kate: Das ergibt doch absolut keinen Sinn.

Sawyer: Wie wär's mit nem Beispiel. [Er überlegt einen Moment] Ich hab noch nie einen Mann geküsst.

Sawyer grinst. Kate schmunzelt und verdreht die Augen.

Sawyer: Jetzt trinkst du, weil du schon einen geküsst hast.

Kate nickt fast spöttisch und trinkt einen Schluck.

Sawyer: Du bist dran.

Kate: Ich hab noch nie behauptet, auf dem College gewesen zu sein, obwohl ich's gar nicht war.

Sawyer gibt einen spöttischen Laut von sich und trinkt.

Sawyer: Ich war noch nie in Disneyland.

Kate trinkt nicht.

Sawyer: Oh, ist das traurig.

Kate zuckt mit den Schultern, Sawyer schüttelt den Kopf.

Kate: Ich hab noch nie was Rosafarbenes getragen. [Sawyer trinkt] Ich wusste es. [Sie lacht vergnügt auf.]

Sawyer: Die ‘80er.

Kate: [Amüsiert] Mm-hmm.

Sawyer: Ich hab nie die Demokraten gewählt.

Kate: Ich habe noch nie gewählt.

Sawyer trinkt. Er überlegt einen Moment, dann wirft er ihr einen ernsteren Blick zu.

Sawyer: Ich war noch nie verliebt.

Kate: [Mit ungläubigem Stirnrunzeln] Du warst noch nie verliebt?

Sawyer: Nein, oder siehst du mich trinken?

Kate scheint es kaum glauben zu können, doch dann trinkt sie selbst einen Schluck.

Kate: Ich hatte noch nie einen One-Night-Stand.

Sawyer zieht die Augenbraue hoch, grinst und wirft den Deckel seiner Flasche hinter sich in den Dschungel und trinkt.

Kate: Na dann mal hoch die Tassen.

Sawyer lacht, verschluckt sich und hustet.

Sawyer: Krieg ich'n Drink für jeden?

Kate: [Wirft ihm einen strengen Blick zu] Du bist dran.

Sawyer: Ich war noch nie verheiratet.

Kate sieht ihn einen Moment lang nur an, dann hebt sie ihre Flasche an die Lippen und nippt daran.

Kate: Hat nicht sehr lange gehalten.

Sawyer starrt sie an.

Kate: Ich hab noch nie ein Wildschwein für meine Probleme verantwortlich gemacht.

Sawyers Blick nimmt einen frustrierten Ausdruck an, doch er trinkt mit einem Seufzen. Dann beugt er sich etwas vor und fasst sie fest und aufmerksam ins Auge.

Sawyer: Ich musste nie so etwas erfinden wie eine Carte Blanche, nur weil ich etwas Zeit mit der einzigen Person auf dieser Insel verbringen will, die auch nirgendwo dazugehört.

Kate weicht seinem Blick aus und trinkt ganz still. Sawyer sieht für einen Moment zufrieden aus, doch der Spaß des Spieles hat sich längst in ernste Anspannung aufgelöst.

Kate: Ich hatte noch nie 20 Jahre lang einen Brief in meiner Tasche, weil ich nicht mit meiner Vergangenheit klarkomme.

Sie sieht zu ihm hinüber, doch er sieht ärgerlich weg, dann zu ihr, sieht ihr direkt in die Augen und trinkt aus seiner Flasche. Kate beobachtet ihn nachdenklich. Einen Moment ist es still.

Sawyer: [Dunkel und leise] Ich hab noch nie jemanden getötet.

Kate starrt ihn einen Augenblick ohne sich zu regen an, und Sawyer starrt sie ebenso an, dann hebt sie langsam ihre Hand und trinkt einen Schluck, ohne den Blick von ihm zu wenden. Ihr Blick ist ernst und betroffen. Sawyer sieht sie an, hebt dann seine eigene Flasche und trinkt ebenfalls. Kate betrachtet ihn noch einen Moment, dann senkt sie den Blick.

Sawyer: Tja.. wie es scheint, haben wir doch noch was gemeinsam.

Sie werfen einander Blicke zu. Kate ist die erste, die ausweicht. Sawyer senkt den Kopf. Stille breitet sich um sie herum aus, während die Flammen im finsteren Dschungel leise vor sich hinprasseln.


SCHNITT. Der kleine Sawyer liegt wieder versteckt unter seinem Bett. Die Tür geht auf und die Stiefel seines Vaters kommen ins Zimmer gestampft. Plötzlich sind es nicht mehr Männerbeine in Stiefeln sondern Wildschweinbeine. Und wieder schallt das Wispern auf.

Flüstern: Dafür büßt du eines Tages.

Ein Schuss ertönt. Und dann sehen wir Sawyers Gesicht in der Gegenwart. Er liegt auf dem Rücken, die Augen geschlossen, und kämpft mit einem Albtraum. Als Kate ihn sanft an der Schulter berührt, schreckt er auf, starrt sie an und keucht.

Kate: [Besorgt] Alles okay? Du hast gezittert.

Sawyer: Mir geht’s gut. Ich hatte nur einen...

Er richtet sich langsam auf, sieht um sich und bemerkt, dass das gesamte Camp zerfetzt und verwüstet ist.

Sawyer: Das kann nicht wahr sein.

Kate: Hier sind überall Hufspuren.

Sawyer: [Mit einer leeren Tüte in der Hand] Es hat unser Essen gefressen!

Kate: Nein. Es hat dein Essen gefressen. Meins ist unberührt. [Sie zeigt ihm ihren Rucksack]

Sawyer: Oh, dafür wird es leiden müssen. Das schwör ich, bei Gott.

Plötzlich raschelt es hinter ihnen im Gebüsch. Sawyer springt auf, hastet zu seinem Rucksack und reißt die Waffe heraus, zielt damit auf die Büsche. Locke kommt dazwischen hervor, kaut an einer Frucht und lächelt.

Locke: Morgen.

Kate seufzt erleichtert auf. Locke lässt seinen Blick herumschweifen.

Locke: Was ist mit eurem Lager passiert?

Kate und Sawyer antworten nicht.


Kurzschnitt.

Locke und Kate sitzen an einem kleinen Feuer und essen Frühstück. Sawyer stöbert immer noch verärgert in seinen verstreut herumliegenden Sachen herum und hat ihnen den Rücken zugewandt.

Kate: Was machst du hier draußen, John?

Locke: Ich suche nach Sachen aus dem Flugzeug.

Kate: Irgendwas gefunden?

Locke: Zerfetzte Metallstücke.. ein paar Päckchen Kaffee. Ich habe eure Fährte gesehen und dachte ich sag mal Hallo.

Sawyer hebt ein Shirt vom Boden auf, riecht kurz daran und schleudert es frustriert wieder von sich.

Sawyer: Oh, dieses verdammte - oh! Es hat auf mein Hemd gepinkelt. [Kate kann ihr Schmunzeln nicht verbergen] Holt mein Hemd aus der Tasche und pinkelt drauf. [Zu Kate] Und du sagst, es wär nichts Persönliches.

Kate: [Zu Locke] Er glaubt, dass das Wildschwein eine Privatfehde gegen ihn führt.

Locke: Aha.

Sawyer: Das ist das dritte Mal, dass es mich angreift.

Kate: Ich glaube, es erkennt deinen Geruch. Und es mag dein Parfum nicht.

Sawyer: Ich benutze kein Parfum.

Kate: Doch tust du.

Sawyer: Na schön, ich.. [Er wendet sich ab und seufzt, sieht dann wieder verärgert zu ihr hinüber] …dieses Ding hat was gegen mich!

Kate: Es ist ein Wildschwein, Sawyer.

Sawyer seufzt noch einmal und setzt sich erstmal hin. Locke holt eine Tasse und Utensilien zum Kaffeekochen aus seiner Tasche.

Locke: Meine Schwester Jeannie ist gestorben, als ich noch ein Kind war. Ein Unfall auf dem Spielplatz. Sie brach sich das Genick. [Sawyer und Kate tauschen einen Blick] Und meine Mutter - eigentlich meine Pflegemutter - machte sich dafür verantwortlich. Sie meinte, sie hätte nicht gut genug aufgepasst. Und da hat sie aufgehört zu essen, aufgehört zu schlafen. Bei den Nachbarn gab es schon Gerede. Wahrscheinlich weil sie dachten, sie würde sich was antun. [Er trinkt einen Schluck Kaffee] Ooh, ist das gut. [Er steht auf, geht zu Sawyer hinüber und gibt ihm eine Tasse] Ist ja auch egal. Ungefähr sechs Monate nach Jeannies Beerdigung kam ein Golden Retriever unsere Einfahrt hochgelaufen, direkt in unser Haus. Er setzte sich auf den Boden und sah meine Mutter an. Sie lag auf der Couch, und meine Mutter sah den Hund an. Nachdem die Beiden sich ungefähr eine Minute angestarrt hatten, brach meine.. Mutter in Tränen aus. Ein wunderschönes Tier, kein Namensschild, kein Halsband, gesund und süß. Der Hund schlief in Jeannies altem Zimmer, in Jeannies Bett, und er blieb bei uns bis meine Mutter verstarb, fünf Jahre später.. um dann wieder dorthin zu verschwinden, wo immer sie auch hergekommen sein mag.

Sawyer sieht ihn nachdenklich an, sagt aber keine Wort.

Kate: Du.. denkst, der Hund war deine Schwester?

Locke: [Sieht sie an und schmunzelt] Tja, das wäre natürlich dumm. Aber meine Mutter glaubte das. [Er sieht zu Sawyer hinüber, ernst] Sie glaubte, dass Jeannie wieder da war, um ihr zu sagen, dass der Unfall nicht ihre Schuld gewesen ist. Damit war sie erlöst. [Er betrachtet Sawyer noch immer mir ernstem Blick, dann lächelt er ein wenig]

Sawyer starrt nachdenklich vor sich hin und sagt kein Wort.

RückblickBearbeiten

Sawyer steigt aus einem Auto auf einem großen leeren Parkplatz auf dem nichts außer einem Shrimpsstand steht. Er nimmt seine Waffe in die Hand und drückt die Autotür zu. Vor dem Imbiss steht nur ein einziger anderer Gast und wartet auf seine Bestellung. Langsam geht Sawyer hinüber.

Duckett: [Zu dem Kunden vor dem Fenster] Fertig zum Mitnehmen.

Der Kunde zahlt, nimmt sein Essen und geht. Nun ist Sawyer an der Reihe. Doch er steht einfach nur wie angewurzelt da und starrt den Verkäufer aus finsteren Augen starr an.

Duckett: [Zu Sawyer] Nur zwei Möglichkeiten – Shrimps in milder Soße, Shrimps in scharfer Soße.

Sawyer steht nur da, rührt sich nicht und starrt ihn an, das Gesicht eine finstere betroffene Maske.

Duckett: Kumpel?

Sawyer: [Reißt sich von seinen Gedanken los, doch seine Stimme klingt rauh und belegt] Ich nehm die Scharfe.

Duckett: Scharf ist die. Okay.

Während Duckett sich an die Zubereitung des Essens macht, zieht Sawyer die Waffe aus der Tasche, entsichert sie vorsichtig und ohne auch nur einmal den Blick von Duckett zu lassen. Dann sieht er rasch einmal nach links und rechts, doch der Parkplatz ist öde und leer. So starrt er wieder den Mann im Imbiss an und rührt sich nicht.

Duckett: Du bist auch Amerikaner, richtig? Glück gehabt. Der Mittagsansturm ist grade vorbei. Und, wo kommst du her?

Sawyer: [Düster und rauh] Tennessee.

Duckett: Aah... ich liebe den Süden. [Er lächelt. Sawyers Finger krampfen sich um die Waffe] Vermisse die Frauen dort. Bist du schon lang in Australien?

Sawyer: Eigentlich nicht.

Duckett: Falls es dich interessiert, ich habe grad'n Special.. halber Preis für alle Amerikaner.

Sawyers Hand mit der Waffe darin zittert ein wenig. Er lässt den Mann keinen Moment aus den Augen.

Duckett: Mein Name ist übrigens Frank.

Sawyer: [Für einen Moment flackert sein Blick] James.

Duckett: Schön dich kennenzulernen, James.

Sawyer starrt ihn an. Doch sein Blick ist so mitgenommen, daß er fast in sich zusammenfällt. Kaum hält er es mehr aus, hier zu stehen. Seine Hand mit der Waffe zittert. Er schüttelt ganz sachte den Kopf.

Duckett: Einmal Shrimps in scharfer Soße...

Doch als er sich zum Fenster umdreht, ist Sawyer verschwunden. Im Hintergrund klingt das Brummen eines aufbrausenden Automotors auf.


Kurzschnitt.

Sawyer sitzt in einer kleinen australischen Bar am Tresen und leert sein Glas. Sein Blick ist düster und traurig und er starrt nachdenklich vor sich hin. Außer ihm ist nur noch ein weiterer Gast im Raum, der ebenfalls mit dem Rücken zu uns am anderen Ende des Tresens sitzt. Im Hintergrund läuft ein Rugbypiel in einem kleinen Fernseher. Sawyer wirft dem Barkeeper einen Blick zu und deutet auf sein leeres Glas.

Sawyer: Noch einen.

Barkeeper: Bist du dir sicher, Kumpel?

Sawyer: Noch einen.

Der Mann am anderen Ende des Tresens wirft ihm einen Blick zu.

Gast: Recht so, Cowboy. Diese Penner denken wohl, dass wir Amerikaner nichts vertragen. [Sawyer trinkt und achtet nicht sonderlich auf den anderen] Wissen Sie, ich, äh... ich hasse es, zu schnorren, aber wie es scheint, habe ich meine Brieftasche verlegt.

Sawyer: [Zum Barkeeper ohne aufzusehen] Gib ihm einen.

Der Barkeeper füllt sein Glas.

Gast: Ich werde auf Sie trinken. Wie heißen Sie, Cowboy?

Sawyer: Sawyer.

Gast: Auf Sawyer. Auf dass er am Boden seines Glases finden möge, wonach auch immer er sucht.

Er trinkt, und jetzt können wir sehen, daß es sich um Christian Shephard handelt.

Christian Shephard: Und, Sawyer... was führt Sie nach Sydney?

Sawyer: [Trinkt sein Glas aus] Geschäfte.

Christian Shephard: Wissen Sie, wieso man Australien "Down Under" nennt? Weil man nicht noch näher an die Hölle rankommt, ohne dass man verbrennt.

Sawyer lacht ein kleines bisschen.

Sawyer: [Zum Barkeeper] Gib mir doch die ganze Flasche, Slim?

Der Barkeeper schiebt ihm die Flasche zu. Christian Shephard verlässt seinen Platz und rückt näher an Sawyer heran.

Sawyer: [Zu Shephard] Und was machen Sie beruflich? In den Staaten? [Er gießt sich und Christian Shephard die Gläser voll]

Christian Shephard: Ich war... Chefarzt der Chirurgie.

Sawyer: Sie waren?

Sie trinken.

Christian Shephard: Ja, ich war.

Sawyer: [Sarkastisch] Wir sind in der Hölle, hm?

Christian Shephard: Lassen Sie sich nicht von der Klimaanlage täuschen, Sie sind auch hier. Und auch sie leiden. Aber machen Sie sich nicht zu sehr fertig. Es ist Schicksal. Manche Menschen sind zum Leiden bestimmt. [Sawyer schenkt sich nach und gibt die Flasche dann an Shephard weiter] Deswegen werden die Red Sox wohl auch nie die Meisterschaft gewinnen. [Sawyer wirft ihm einen Blick zu. Shephard leert sein Glas, und Sawyer nimmt sich wieder die Flasche] Ich hab einen Sohn – der ist ungefähr in Ihrem Alter. [Er starrt vor sich auf den Tisch] Er ist nicht so wie ich. Er hört auf sein Herz. Er ist ein guter Mann. Vielleicht sogar ein großer. Im Moment... glaubt er, dass ich ihn hasse. [Sawyer wirft ihm einen Blick zu] Er glaubt, dass ich mich von ihm verraten fühle. Aber was ich in Wirklichkeit fühle... ist Dankbarkeit [Shephard lächelt vor sich hin] ...und ich bin Stolz auf das, was er mir angetan hat. [Er schließt kurz seine Augen und korrigiert sich selbst] Was er FÜR mich getan hat. Das erforderte mehr Mut, als ich jemals hatte.

Sawyer starrt ihn nur an. Shephard deutet hinter sich.

Christian Shephard: Da hinten an der Wand hängt ein Telefon. Ich brauchte nur hinzugehen und die Nummer zu wählen. Ich könnte mit ihm über alles reden. Ich könnte ihm sagen, dass ich ihn liebe. Ein simpler Anruf würde alles wieder in Ordnung bringen.

Sawyer: Warum tun sie es nicht?

Christian Shephard: Weil ich zu schwach bin.

Sie tauschen einen schweigenden Blick.

Christian Shephard: Diese, äh... Geschäfte, die Sie abschließen wollen... werden die Ihr Leiden verringern?

Sawyer: Ja.

Christian Shephard: Was tun Sie dann noch hier?

Sawyer: [Trinkt wieder und schüttelt den Kopf] So einfach ist es nicht.

Christian Shephard: [Eindringlich] Natürlich ist es das. Wenn Sie nicht so wie ich enden wollen, dann ist es einfach.


KURZSCHNITT. Wieder sehen wir den Shrimpsstand. Es ist jetzt Nacht. In Strömen fällt der Regen. Sawyer sitzt in seinem Auto und beobachtet Duckett, der große Müllsäcke nach hinten zu den Containern schleppt.

InselabschnittBearbeiten

SCHNITT zum Strand. Charlie sitzt im Sand und enthülst mit festen Schlägen eine Kokosnuss. Sayid kommt auf ihn zu.

Sayid: Du entwickelst ja echtes Geschick.

Charlie: Ja. [Er lächelt knapp und arbeitet weiter]

Sayid setzt sich neben ihn und sieht ihm einen Moment lang zu.

Charlie: Ich versteh schon. Du sollst kucken, wie ich drauf bin.

Sayid: Du hast jemanden getötet.

Charlie: [Sieht Sayid an] Jemanden, der einen von uns getötet hat. Der Claire und mich entführt hat. Der mich an einen Baum gehängt und dem Tod überlassen hat. Er verdiente nichts anderes. Ohne Zögern würd ich's wieder tun. Verzeihung, aber meine Gewissensbisse sind im Urlaub.

Er macht sich wieder mit wütenden Schlägen über die Kokosnuss her. Sayid denkt einen Moment nach, ehe er ruhig zu erzählen beginnt.

Sayid: Als ich in der Armee war in Tirkit, in Irak, da wohnte in der Wohnung nebenan ein Polizist. Sein Auto wurde von einer Bombe zerfetzt. An seiner Stelle wurden seine Frau und drei kleine Kinder getötet. Der Mörder wurde gefasst, und ich meldete mich freiwillig für das Exekutionskommando und tat meine Pflicht, ohne mit der Wimper zu zucken. Doch dann, ohne jeden Grund, wachte ich nachts immer wieder auf. In meinem Kopf sah ich diese Bilder..

Charlie: Sieht so aus, als hättest du Hilfe nötig.

Sayid: [Schmunzelt ein bißchen] Ich will dir nur sagen, dass dich Ethans Tod für den Rest deines Lebens begleiten wird.

Charlie: [Sieht ihn an und hört mit dem Schälen auf] Hast du'n Vorschlag?

Sayid: Du bist nicht allein. [Er steht auf um zu gehen] Also tu nicht so, als wärst du's.

Damit geht Sayid. Charlie sieht ihm nachdenklich hinterher.


SCHNITT zu Sawyer und Kate. Sie durchstöbern immer noch den Dschungel auf der Suche nach Spuren des Schweins. Kate geht voran, Sawyer hinter ihr her.

Sawyer: Es ist gut zu wissen, dass hier eines Tages ein schönes Einkaufszentrum steht, oder vielleicht sogar ein Parkhaus. [Kate biegt nach links ab] Wo gehst du hin?

Kate: Weißt du was das ist?

Sie bleibt stehen und sieht auf eine modderige Mulde im Boden herunter.

Sawyer: Ein Schlammloch.

Kate: Das ist eine Suhle.

Sawyer: Was zum Teufel ist eine Suhle?

Kate: Eine Schweinesuhle? Seine Lager, wo es schläft. [Sie wirft einen Blick auf einen nahen Baumstamm, berührt mit der Hand die abgeschabte Rinde] Sieh dir die Spuren seiner Hauer an dem Baum an.

Sawyer: Glaubst du, es ist hier irgendwo?

Kate: Vielleicht.

Plötzlich erklingt ein helles Grunzen hinter ihnen. Sawyer springt in die Büsche.

Kate: Warte, Sawyer -

Sawyer verschwindet im Gebüsch und kommt einen Augenblick später mit einem kleinen schwarzen Wildschweinferkel zwischen den Händen wieder zum Vorschein. Das Ferkel quiekt vor Angst.

Sawyer: Hab ich dich! Haha!

Kate: Ich dachte es wäre größer.

Sawyer: Lustig. Jetzt wissen wir, dass Daddy hier irgendwo sein muss. [Er hält das zappelnde Ferkel hoch in die Luft und fängt an, wie von Sinnen nach dem Vaterschwein zu brüllen] Hier, Schwein, Schwein, Schweinchen!

Kate: Sawyer, lass es runter! Das ist nicht witzig!

Sawyer: Hier, Schwein, Schwein, Schweinchen!

Kate: Runter! Hey, was ist lost mit dir, Sawyer? Du wirst es verletzen!

Sawyer: Schwein, Schwein, Schweinchen! Wir sind genau hier drüben!

Kate: [Ärgerlich] Gib es her!

Sawyer: Hier, Schweinchen - Au! Aah!

Kate versetzt ihm einen harten Tritt und Sawyer stolpert. Das Ferkel rutscht ihm aus den Händen und rennt weg.

Kate: [Wütend] Du bist krank.

Sawyer: Ich hab's nicht verletzt.

Kate fährt herum und geht.

Kate: Du findest selbst nach Hause.

Er starrt ihr hinterher, seufzt dann frustriert auf.

Sawyer: [Ruft ihr ärgerlich nach] Kein Problem!

RückblickBearbeiten

Sawyer geht mit langen Schritten durch den Regen auf Duckett zu, die Waffe fest in der Hand. Duckett hat ihm den Rücken zugewandt, wirft Müllbeutel in die Mülltonnen und sieht ihn nicht herankommen. Sawyer bleibt in einigem Abstand zu ihm stehen und ruft ihm zu.

Sawyer: Sawyer!

Duckett fährt herum, und ohne Vorwarnung drückt Sawyer ab. Duckett fällt zurück, knallt mit dem Rücken gegen den Müllcontainer und rutscht daran zu Boden. Sawyer geht langsam zu ihm herüber. Starrt auf ihn herunter, während der Regen ihm über das Gesicht rinnt. Duckett presst seine Hand auf seine Brust. Auf seinem Hemd ist ein dunkler Blutfleck zu sehen.

Sawyer: Ich hab'n Brief für dich. [Er klappt den Brief auf und fängt an zu lesen] "Lieber Mr. Sawyer..."

Duckett: Wer?

Sawyer: [Sieht ihn an] Du hast dich doch ne Weile Sawyer genannt.

Duckett: Wovon redest du denn bloß? [Er hustet] Du hättest nicht zu Hibbs.. rennen müssen. Ich hätte bezahlt.

Sawyer erstarrt.

Sawyer: Woher kennst du Hibbs?

Duckett: Du hast.. keine Ahnung, was du getan hast, oder?

Sawyer: [Schockiert] Du hast bloß Geld von Hibbs geliehen?

Duckett: Ich wollte doch bezahlen.

Sawyer kann nicht fassen, was er da hört, er starrt nur auf den schwächer werdenden Mann herunter, unfähig sich zu bewegen.

Duckett: Dafür büßt du eines Tages.

Sawyer steht reglos im strömenden Regen und starrt auf den sterbenden Mann herunter.

InselabschnittBearbeiten

Sawyer marschiert durch den Dschungel, das Gesicht angespannt und starr, bleibt plötzlich stehen und sieht um sich.

Sawyer: Kate!

Keine Antwort. Doch als er sich wieder umwendet, steht plötzlich das Wildschwein vor ihm. Mitten auf dem Weg. Und starrt ihn an. Sawyer reißt seine Waffe hervor und zielt auf das große schwarze Tier. Das Schwein grunzt leise und rührt sich nicht von der Stelle. Für einen Augenblick starren die beiden sich einfach nur an.

Etwas hinter Sawyer hinter Büschen verborgen steht Kate und beobachtet ihn aufmerksam.

Sawyer starrt das Schwein grimmig an, sieht ihm direkt in die kleinen braunen Augen. Das Schwein steht ganz still und erwidert den Blick. Und dann lässt Sawyer seine Waffe sinken. Kate hinter den Büschen atmet leise auf. Als Sawyer sich abwenden will, entdeckt er sie und starrt sie mit gerunzelter Stirn an.

Sawyer: Es ist nur ein Wildschwein. Wir gehen wieder zurück zum Camp.

Kate sieht ihn an ohne ein Wort zu sagen. Sawyer wendet sich ab und geht. Kate bleibt noch einen Moment nachdenklich stehen, dann schließt sie sich ihm an.


SCHNITT zum Strand. Jin und Sun sind nah dem Ufer mit einem Fischernetz beschäftigt. Claire sitzt etwas abseits im Sand und sieht gedankenverloren auf das Meer hinaus. Dann lässt sie ihren Blick ein Stück wandern und sieht Walt zu, der mit Vincent herumtobt. Claire lächelt ein wenig. Michael arbeitet ganz in der Nähe an seinem Floß. Claire sieht auf ihren Bauch herunter und runzelt die Stirn. Da kommt Charlie zu ihr hinüber.

Walt: [Im Hintergrund] Sehr gut, Vincent. Und jetzt hol den hier! Lauf! Lauf! Lauf, Vincent!

Michael: [Im Hintergrund] Ganz schön schwer... und jetzt hier rauf.

Walt: [Im Hintergrund] Gut gemacht, Vincent.

Charlie: Hey.

Claire: Hey.

Er hockt sich neben sie und lächelt sie an.

Charlie: Wollen wir jetzt spazieren gehen?

Claire: [Lächelt] Gern.

Er hilft ihr auf, und die beiden beginnen langsam den Strand entlang zu schlendern.

Charlie: Na? Was hast du gemacht? Ich war heute sehr fleißig. Ich hab den ganzen Tag Kokosnüsse zerfasert. Ach ja, und.. dann hatte ich noch ein Gespräch mit Sayid.


SCHNITT. Jack bereitet im Dschungel Feuerholz vor, in dem er lange Äste mit dem Fuß in kleinere Stücke tritt. Hinter ihm taucht Sawyer zwischen den Büschen auf, zückt seine Waffe, richtet sie auf Jack und entsichert sie.

Sawyer: Die Flossen hoch.

Jack fährt herum, er starrt Sawyer und die Waffe in seiner Hand an. Für einen langen Moment herrscht atemlose Stille.

Jack: Soll das etwa lustig sein?

Sawyer: [Starrt ihn noch einen Moment starr an, dann fängt er an zu grinsen] Ja.

Jack seufzte und schüttelt den Kopf.

Sawyer: Eigentlich wollte ich dir ja ne Torte ins Gesicht werfen. Yo, Sheriff. [Er hält ihm die Waffe hin, Jack nimmt sie]

Jack: Ich hatte vor zwei Tagen danach gefragt.

Sawyer: Und ich sagte: "Verzieh dich."

Jack verstaut die Waffe fest in seinem Rucksack. Sawyer wendet sich zum Gehen.

Sawyer: Es war ein Deal mit deiner Freundin.

Jack: Was hat sie dir gegeben?

Sawyer bleibt stehen und sieht ihn an.

Jack: Kate. Was sie dir gegeben hat?

Sawyer: [Grinst] Nichts, was sie mir nicht auch geben wollte.

Jack: [Schüttelt seinen Kopf und wendet sich ab] Deswegen werden die Sox nie die Meisterschaft gewinnen.

Er macht sich wieder an die Arbeit, doch Sawyer bleibt still stehen und starrt ihn an.

Sawyer: Was war das?

Jack: Hm?

Sawyer: Was hast du grade gesagt?

Jack: Ich sagte, deswegen werden die Red Sox nie die Meisterschaft gewinnen.

Sawyer: Und was zum Teufel bedeutet das?

Jack: Ach das, das hat mein Vater immer gesagt. So konnte er durch's Leben gehen, obwohl die Leute ihn gehasst haben. [Sawyer starrt ihn an, doch Jack ist zu sehr mit dem Holz beschäftigt, um es zu bemerken] Doch anstatt sich dem zu stellen, hat er's auf's Schicksal geschoben. Sagte, er wäre eben so geboren.

Sawyer: Dein Vater– ist er auch'n Arzt?

Jack: War. Er ist tot. [Er wirft Sawyer einen Blick zu] Warum fragst du nach meinem Vater?

Sawyer starrt ihn für einen langen Moment nur an ohne ein einziges Wort zu sagen. Dann beginnt er leicht zu grinsen und seinen Kopf zu schütteln.

Sawyer: Nur so.

Damit wendet er sich um und geht davon. Jack sieht ihm einen Moment nachdenklich hinterher, dann wendet er sich wieder seiner Arbeit zu.


Aufgeschrieben von: Willow und Nordlys

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