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Lostpedia-Interview:Michael Emerson

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Lost Soul ist für dieses Interview verantwortlich.

Michael Emerson ist ein Lost Darsteller, welcher Benjamin Linus spielt. Die folgenden Fragen wurden von Mitgliedern des Lostpedia Forums und der Lostpedia per E-Mail übermittelt.


Lostpedia: Was halten Sie von Bens Beziehung zu Richard?

Michael Emerson: Eine der größten Mysterien der Show ist Nestor und die ewige Jugend seines Charakters Richard Alpert. Ersatzvater, Mentor oder gar hinterlistiger Betrüger?

Lostpedia: Sie scheinen in ihrem wahren Leben eine nette und gesittete Persönlichkeit zu sein. Welche Methoden benutzen Sie, um einen Charakter, der sich so stark von Ihnen unterscheidet, darzustellen und ist es schwer, sich zu verstellen? Haben Sie Ihre Darstellung auf einer bestimmten Person aufgebaut und wenn ja auf wen?

Michael Emerson: Für Ben muss man nicht viel "Schauspielern" - Er ist wie ich (oder sonstwer) nur weniger. Ich kenne niemanden der so kalt ist wie Ben, aber ich genieße seine Fokussierungen und Berechnungen - Er hat die Lizenz zur Gefühlslosigkeit.

Lostpedia: Um weiter auf die letzte Frage einzugehen: Benutzen Sie Teile Ihrer eigenen Persönlichkeit und involvieren Sie sie in Ihre Rolle?

Michael Emerson: Manchmal geht es beim Schauspielern nicht darum, wie man ist, sondern wie man gerne sein könnte. Wir sind alle zu fast allem fähig - Ben ist da nicht anders.

Lostpedia: Wenn Sie sehen, wie aufmerksam die LOST Zuschauer sind, sind Sie und die anderen Schauspieler selbstbewusster, was Ihre Performances angeht, als in anderen Produktionen? Michael Emerson: Ich denke nicht, dass die Castmitglieder so viel über die Arbeit nachdenken - Die Arbeit ist so anstrengend wie sie ist. Diese ganze intensive Aufmerksamkeit liegt in meiner Auffassung eher zwischen den Autoren und den Zuschauern.

Lostpedia: Gab es jemals etwas, was die Autoren Ben sagen oder tun lassen wollten, womit Sie nicht einverstanden waren?

Michael Emerson: Ich gebe zu, von Bens Rolle als Massenmörder der Dharma Initiative geschockt gewesen zu sein, aber vielleicht wird das in Zukunft noch rekontextualisiert. Ich vertraue den Autoren vollkommen und würde es als unangenehm empfinden, mich in ihren Job einzumischen.

Lostpedia: Ist es so, dass all die Kameras und die speziellen Regieanweisungen, zusammen mit der Tatsache, dass die Fans Ihren Charakter besonders intensiv verfolgen, Sie von Ihrer Objektivität, vom Dialogtext, etc. ablenken ?

Michael Emerson: Vor der Kamera zu Schauspielern bedeutet, alle anderen Eindrücke herunterzufahren. Ich mag diese Herausforderung - konzentriert bleiben und immer darauf vorbereitet sein, eine Szene endlos oft zu drehen ohne zu sehr mitgenommen zu sein. Meistens drehen wir für LOST ganze Takes von Szenen, so dass es nicht allzu fragmentiert erscheint.

Lostepedia: Viele Lost-Fans sind besonders Fans deines Charakters und können sich trotz der schlechten Dinge, die Ben gemacht hat, in ihn hineinversetzen und sich mit ihm identifizieren, und dafür finde ich Ihre Verkörperung von Ben ausgesprochen faszinierend. Wie nähern Sie sich als Schauspieler einem solchen moralisch-zwiespältigen "Bösewicht", sodass die Zuschauer trotzdem mit ihm sympathisieren.?

Michael Emerson: Es gibt dafür kein großes Geheimnis oder ein geheimes Rezept - wir schenken den Bösewichten Beachtung, weil SIE WIE WIR sind. Ich suche nach Wegen auf interessante Art, unsozial und unangenehm zu wirken - Manchmal auch in einer Weise, die wir uns normalerweise selbst nicht erlauben würden.

Lostpedia: In welcher Weise haben die Enthüllungen der Episode "De Mann hinter dem Vorhang" über Bens Kindheit Ihre Performance von Ben als Erwachsenem beeinflusst?

Michael Emerson: Ich spüre da kaum einen Einfluss (bemerkt er kühl) - es bestätigt nur, dass er genauso eine Person ist wie wir auch.

Lostpedia: Wie war Ihre Reaktion auf das "frozen donkey wheel" (gefrorenes Eselsrad)? Es war sehr bewegend (das Wortspiel ist unbeabsichtigt), als Ben das Rad drehte; man konnte wirklich die Trauer, zu wissen, dass er nie wieder auf die Insel zurückkehren würde, in ihm sehen. Haben sie beim Drehen dieser Szene reale Emotionen bekommen und eine echte Trauer verspürt?

Michael Emerson: Jack Bender sagte mir, dass ich unbekümmert sein solle, dass dieser Moment für Ben das Ende seines Lebens bedeutet, so wie er es wusste. Verbindet man das mit einem noch sehr frischen Verlust der Tochter, dann ist es eine sehr hochrangige Szene. Kam es Ihnen real vor?

Lostpedia: Ihre stark nuancierte Aussprache der Zeilen, die, im Mund eines anderen Schauspielers, unbedeutend erscheinen würden, haben zu einer außergewöhnlichen Mehrdeutigkeit von ganzen Szenen und Episoden von Lost geführt. Tatsächlich scheint diese Gabe das Markenzeichen Ihres Charakters zu sein. Haben Sie jemals eine Zeile sprechen müssen, die wirklich mehrdeutig war, bevor sich die Regisseure/Produzenten für diejenige entschlossen haben, die am besten die Richtung der Handlung vorgibt?

Michael Emerson: Ich bin ein Theaterschauspieler und in dieser Welt hängt Erfolg davon ab, wie die Zeilen gesprochen werden. Ich würde sagen, dass das die Sache ist, wofür ein Schauspieler bezahlt wird...Bei Lost drehen wir häufig eine Szene (oder eine Zeile) in verschiedenen Weisen und lassen die Editoren entscheiden, welche Version sie am besten finden.

Lostpedia: Die meisten eingefleischten Lost-Fans haben ihr eigenes Lieblingszitat von Benjamin Linus/Henry Gale, oder mehrere, aber welches ist Ihres ?

Michael Emerson: Ben hat gutes Zitat oder zwei in jeder Episode und ich liebe den Verstand dahinter, aber ich bin besonders angetan von der nüchternen Beantwortung von ernsthaften Fragen über Ethik oder Philosophie. Neben der Tatsache, dass er ein Mann des Handelns ist, ist er auch einer auf der Suche nach dem Sinn.

Lostpedia: Wie oft werden Ihnen Anweisungen gegeben, eine Szene so und so zu spielen ohne zu wissen, warum Ben mit seiner persönlichen Vergangenheit und dem Wissen, was eigentlich los ist, auf diese Art handelt oder fühlt? Und haben Sie Beispiele für Ihre Methode oder Ihren Gedankenprozess, um das fehlende Wissen auszugleichen?

Michael Emerson: Ehrlich gesagt, ich kümmere mich gar nicht so sehr über die Motivation oder den Hintergrund. Viel wichtiger ist, dass eine Szene prickelt und knistert. Schauspielern ist abstrakter als die meisten Menschen ( oder ebenso Schauspieler) denken.

Lostpedia: Den eigenen Vater getötet und eine Vernarrtheit in eine Frau entwickelt, die ihn an seine Mutter erinnert,zu haben, machen eindeutig klar, dass Ben einen Ödipus-Komplex hat. Finden Sie diesen Aspekt Ihres Charakters noch verstörender als den mörderischen gewalttätigen Charakterzug? Und glauben Sie, dass die Drehbuchautoren andeuten, dass Ben sich letztendlich zu einem tragischen Held, wie Ödipus einer war, entwickelt?

Michael Emerson: Ich weiß nicht, ob Ödipus als irgendein Held dargestellt werden kann, aber nein - jeder (Charakter) in Lost hat ein Problem mit seinem/ihrem Vater - es ist ein Thema der Serie. Wir sind zwei Jahre davon entfernt, um zu beurteilen, ob Ben ein Held ist oder nicht.

Lostpedia: Beurteilen Sie sich selbst als einen 'methodisch' agierenden Schauspieler? Welche Schritte unternehmen Sie, um eine Rolle komplett zu vereinnehmen? Wo nehmen Sie Ihre Inspiration für das Spielen eines Charakters her, der so böse und "kriecherisch" wie Benjamin Linus ist?

Michael Emerson: Nein, ich würde nicht sagen, dass ich methodisch arbeite. Ich würde mich selber als einen technischen Schauspieler bezeichnen. Um es mit Ben Kingsleys Worten zu sagen, Ich lerne die Texte, und wenn ich sie vollkommen und mit ihrer Bedeutung gelernt habe, dann bin ich bereit, die Handlung gut herüberzubringen. Jeden Tag, bei jeder Szene, sage ich mir selber: "Was würdest du machen, wenn du in dieser Situation wärst?" Reine Vorstellungskraft.

Lostpedia: In anderen Interviews haben Sie gesagt, dass Bens Charakter wirklich zwischen der Absicht der Autoren/Regisseuren und den Gedanken der Zuschauer über Ben steht; dass Sie nur den Text sprechen und die Kleidung tragen. Die Autoren schreiben das Drehbuch. Die Regisseure stellen den Rahmen für den Dreh fest. Die Editoren und die Musik-Koordinatoren kreieren die feinen Effekte durch Schnitt und Kadenz. Aber was machen Sie, um Ben zum Leben zu erwecken? Oder anders gefragt: Inwiefern wählen Sie Sprechton, -tempo, Körperbewegung, usw. gegenüber dem, wonach der Regisseur fragt?

Michael Emerson: Ich zeige eine Ansammlung von Verhalten und Geräuschen, die die Zuschauer plausibel finden könnten, überraschend, vielleicht schockierend. Ich bin ein flexibler Mitarbeiter in diesem Prozess bis zu einem gewissen Punkt, aber am Ende des Tages bin ich derjenige, der atmet und sich bewegt und spricht und versucht, den kritischen Zuschauern die Story zu vermitteln. Darin existiert eine bestimmte Nuance.

Lostpedia: Manchmal scheint es, dass Bens Handlungen von einer kindlichen Ader geleitet sind, welche vielleicht der Grund für die launischen Reaktionen sein könnten. Was denken Sie über diese Seite des Charakters und meinen Sie, dass dadurch Fragen über seine Motivationen beantwortet werden?

Michael Emerson: Ich denke, dass es die Wahrheit über brilliante Menschen sagt, die ich beobachtet habe. All unsere Eigenschaften wachsen nicht gleichschnell heran und unsere unglaublichen Fähigkeiten haben ihren Preis. Ich mag die Idee, dass Ben sozial unterentwickelt ist. Zusätzlich bemerke ich mehr und mehr, dass die Erwachsenen nur spätere Versionen der Kinder sind, die sie einmal waren.

Lostpedia: Über die Jahre hinweg hat sich Bens Charakter entwickelt und verändert. Zuerst lernten wir ihn als Henry Gale kennen, der erschreckte, friedvolle Mann aus Minnesota, dann war da der ruhige und undurchschaubare Führer der Anderen/Diktator, der Jack benutzte, um sein eigenes Leben zu retten. Später sahen wir den grausamen, machthungrigen Ben während der Rückblende mit der Säuberung, dann sahen wir die emotionale Seite in den Nachwirkungen von Alex' Tod, und dann wieder den grausamen, machthungrigen Ben, der Keamy tötete. Welchen Charakterzug von Ben genossen Sie am meisten?

Michael Emerson: Was ich faszinierend finde, ist, dass Sie denken, es gebe all diese Versionen von Ben, während ich darauf Wert gelegt habe, immer denselben Mann zu spielen. (Dankeschön.)

Lostpedia: Ben war auch in einigen Actionszenen verwickelt; ich denke da besonders an die Szene in der Sahara mit den Bedouinen. Trainieren Sie speziell für solche Sequenzen? Machen Sie die Stunts in der Serie selber?

Michael Emerson: Ich wünschte, ich hätte mehr Erfahrung mit so etwas, aber bei Lost musst du am Tag sehr viel davon herbeiführen und es machen. Ich habe ein gewöhnliches Kampftraining absolviert aber nichts, das mich auf das Schießen, Kämpfen und Fahren vorbereitet hat, was ich bei Lost gemacht habe. Gewöhnlich mache ich meine Stunts selber bis zu dem Punkt, wo ich Schmerzen habe oder wo es verückt wäre, weiter zu machen, meistens ist da aber auch schon Schluss. Die Arbeit ist oft gefährlich und ich habe mir geschworen, mich mehr zurück zu nehmen.

Lostpedia: Wie haben Sie die Darstellung von Ben über die Zeit und den Verlauf der Serie verändert? Ich meine das als eine bewusste Wahl und nicht so sehr das, was die Autoren für Ihren Charakterbogen geschrieben haben. Im Wissen über Bens Charakter und Geschichte oder sogar über Henry Gale, gibt es Szenen, die Sie heute anders spielen würden, wenn Sie sie nochmal drehen könnten. Wenn ja, wie?

Michael Emerson: Eigentlich habe ich nichts an der Darstellung verändert (zumindest nicht bewusst). Das war immer nur ich gewesen, was ich in dem Moment wusste und die Szene zur Hand habend. Kann mir keine Szene vorstellen, die ich verändern würde.

Lostpedia: Was denken Sie ist der größte Wendepunkt für Bens Charakter über die Spanne der gesamten Serie? Ist dieser Punkt schon eingetreten oder wird es noch passieren?

Michael Emerson: Der Tod von Alex.

Lostpedia: Was sind Ihrer Meinung nach die persönlichen religiösen/philosophischen Ansichten von Benjamin Linus? In der Episode "Dave", während er sich noch als Henry Gale ausgibt, sagt er zu Locke: "Gott weiß nicht, wie lange wir schon hier sind, John. Er kann die Insel genauso wenig sehen, wie der Rest der Welt es kann." Aber in "Der Preis des Lebens" fragt er Jack, ob er an Gott glaube. Als Jack die Frage an ihn stellt, erwidert Ben: "Ich wusste von meiner Krankheit genau zwei Tage und was fällt da vom Himmel? Ein Spezialist für Wirbelsäulenchirurgie. Wenn das kein Beweis für Gott ist, was sollte dann einer sein?" Während diese Antwort ziemlich zweideutig ist, zeigt es eine andere Ansicht über Religion als im Gespräch mit Locke. Ben hat außerdem das Qu´ran und ein Buch über indische Rituale im Bücherregal. Was schließen Sie aus alledem? Und wenn Sie das beantworten wollen, was ist Ihre persönliche Weltansicht?

Michael Emerson: Ben ist eindeutig auf der Suche nach Sinn und denkt in philosophischen Dimensionen. Wie die meisten Menschen (so wie ich) ist er zu sehr im Hier und Jetzt, um dem seinen ganzen Fokus zu geben. Wie ich auch, glaubt er wahrscheinlich, dass er seine spirituale Einstellung in den täglichen Handlungen ausdrückt.

Lostpedia: Im Licht der jüngsten Staffel 4 Spoiler, glauben Sie, dass solche großen Enthüllungen der Serie schaden (falls ihr nicht mitbekommen habt, dass die Bekanntwerdung Person im Sarg ein großer Spoiler gewesen ist.)? Wie sollten die Fans mit den Spoilern umgehen?

Michael Emerson: Ich habe davon nichts gehört. Das ist die Kehrseite einer so hohen Aufmerksamkeit, denke ich. Wenn die Fans nicht durch Spoiler ein Geheimnis erfahren wollen, dann wissen sie, was zu tun ist.

Lostpedia: Lesen Sie oder andere Cast-Mitglieder in diesen Message-Boards? Sind Sie so fasziniert von der Story wie wir, wenn Sie einmal gesehen haben, wie sich alles zusammenfügt oder haben Sie das, was Sie gedreht haben, manchmal so satt, dass Sie sich auf andere Dinge konzentrieren? Haben Sie jemals Lostpedia besucht?

Michael Emerson: Eigentlich besuche ich keine solcher Seiten - glaube, dass es viele aus dem Cast sind, die das tun. Es ist, als ob man Reviews liest - das kann nichts Gutes bewirken. Ich verfolge die Story sehr intensiv und liebe es, über die Bedeutung von allem zu spekulieren und wo die Story hinführen wird. Ich habe von Lostpedia gehört und auch vom Lob darüber, aber ich verfolge Lost nicht Online - Ich verfolge es lieber über Gespräche.

Lostpedia: Wie ist der Umgang im Cast untereinander abseits des Sets? Gibt es jemanden, mit dem Sie die ganze Zeit am Set sind und woran liegt das?

Michael Emerson: Die Leute im Cast gehen sehr freunschaftlich miteinander um - wir kommen nicht sehr oft zusammen, weil wir auch ein Leben außerhalb von Lost führen und wahrscheinlich sehen wir uns sowieso schon oft genug am Set. Ich verstehe mich aber besonders gut mit Terry - nicht nur weil wir in vielen Szenen zusammen sind, sondern auch weil wir in etwa im gleichen Alter sind und dasselbe Temperament und Arbeitsverhalten haben.

Lostpedia: Sie und viele andere Cast-Mitglieder haben gesagt, dass Sie nicht wissen würden, wie es bei Lost weitergehen würde, und dass Sie manchmal ein Skript erst wenige Tage vor dem Dreh erhielten. Wie schwierig war es für Sie, die Unterschiede, da Sie schließlich einen intensiven Bezug zum Theater haben,zu übernehmen?

Michael Emerson: Zuerst war es beängstigend, aber jetzt hat es etwas Befreienedes. Eine geringe Veränderung.

Lostpedia: Terry O'Quinn sagte, dass es eine einmalige Möglichkeit sei, bei Lost arbeiten zu dürfen, und dass einige der jüngeren Schauspieler das nicht würdigen würden so wie Sie, der in seiner gesamten Karriere niemals in so etwas Großes involviert war. Sind Sie der selben Meinung und wer noch aus dem Cast sagen Sie, ist genauso ein großer Fan der Serie, wie Sie.?

Michael Emerson: Die Größe des Erfolgs von Lost ist schwer zu begreifen. Darüber denke ich nicht so sehr nach - Ich tue die Arbeit, die meine Aufmerksamkeit verlangt. In gewissem Sinne ist es so, dass es nur eine von vielen Rollen ist, die ich gespielt werden habe.

Lostpedia: Was ist Ihre Vorhersage für die finale Natur der Serie: Wird es eher sich dem Sci-Fi- oder dem Mysteriegenre zuwenden? Was halten Sie von dem neuerlichen Schritt, die Thematik in die Science-Fiction-Ecke zu bewegen?

Michael Emerson: Die Sicht aus der Science-Fiction halte ich für wahrscheinlicher - aber wie alle Sci-Fi-Produktionen wird es die Zuschauer überwältigen. Hört sich für mich gut an.

Lostpedia: Was haben Sie von der Wende gehalten, die in Staffel 4 gemacht wurde? Wie hat der Autorenstreik in den USA die Serie getroffen - hatte er positiven oder negativen Einfluss? Ist das schnelle Tempo - jetzt mit Flashforwards und den üblichen Flashbacks - ein notwendiger Schritt, um das zu bewerkstelligen?

Michael Emerson: Ich liebe die Vorausblenden - Ich denke, es erhöht die Serie auf einen anspruchsvolleren und ergreifenderen Level. Staffel 4 wa ein wenig turbulent für uns, aber es gab der Serie große Dringlichkeit und Schwung. Der einzige Vorteil des Streiks war es, plötzlich zu Hause bei den Geliebten zu sein.

Lostpedia: Würden Sie wieder "ja" sagen, wenn Sie zu dem Moment zurückkehren könnten, als Sie für die Rolle des Henry Gale angefragt wurden, mit dem Wissen über die Offenbarung der Charaktere (Henry = Ben), dem Ausmaß Ihrer Verpflichtung, die Aufmerksamkeit der Fans (als einer der Hauptgründe)? Warum, bzw. warum nicht?

Michael Emerson: Ich würde "ja" sagen (aber ich wäre noch viel besorgter gewesen). Ich bin froh, dass es so gekommen ist.

Lostpedia: Sie haben erwähnt, dass Sie nicht so sehr ins Freie gehen. Gibt es etwas, dass Sie an Hawaii vermissen werden, wenn Lost 2010 endet? Können Sie uns da ein paar Erlebnisse vom Set erzählen?

Michael Emerson: Ich werde den Geruch des Ortes und die überraschend wehenden Winde, die Farben des Wassers und das ewig wechselnde Licht, die Wolken und Regenbogen am hawaiianischen Himmel vermissen. Ich mag die zerklüfteten grünen Berge hier und das Wandern und die ungewöhnlichen Vögel. Ich liebe den Klang der hawaiianischen Sprache (wie fließendes Wasser) und die Musik auf den Inseln. Alles in allem werde ich die Gelassenheit und den lockeren Umgang der Menschen auf O´ahu vermissen.

Lostpedia: Welch/e andere/r Schauspieler/in hatte einen Einfluss auf Ihre Schauspielerei?

Michael Emerson: Meine Idole sind meistens große Schauspieler vom Broadway oder von der Londoner Bühne - Schauspieler, die Wege gefunden haben, die Welt der Sprache zu beherrschen.

Lostpedia: Nachdem Sie William Hinks in The Practice gespielt haben, wird Folgendes von Ihnen zitiert: "Ich bin ein bisschen besorgt wegen der Reichweite und der Macht des Fernsehens. Es haben mich mehr Menschen bei The Practice gesehen, als sie mich je in allen Bühnenspielen, die mache, gesehen haben werden. Was mich ziemlich demütigend macht. Oder verärgert. Oder beides." Denken Sie immer noch genauso, besonders jetzt, da es so viele von uns Zuschauern gibt, die mit der Serie interagieren und sie sogar beeinflussen?

Michael Emerson: Ich denke immer noch so. Das Ausmaß und die Auswirkungskraft des Fernsehens ist unvorstellbar, unkontrollierbar.

Lostpedia: Ich weiß, dass es Schauspieler gibt, die es hassen, sich selbst im Fernsehen zu sehen: Fallen Sie auch in diese Kategorie? Sind Sie sehr selbstkritisch, wenn Sie Ihre Auftritte anschauen? Und gab es Momente, wo, wenn Sie zurückblicken, Sie sich gewünscht haben, dass Sie es anders gemacht hätten?

Michael Emerson: Ich schaue mich selbst im TV an - es ist oft schmerzhaft aber auch belehrend. In gewisser Weise scheint es, dass ich das nicht bin (im TV). Manchmal wünscht man sich, dass man einen Moment dafür hat, es nochmal neu zu machen. Es ist seltsam sich selbst aus allen Winkeln zu betrachten.

Lostpedia: Welche Art von Büchern lesen Sie am liebsten? Mögen Sie fiktionale Literatur genauso wie nichtfiktionale? Irgendwelche Genre, die Sie nicht mögen?

Michael Emerson: Ich lese viele Romane, ich lese Klassiker, sowie geschichtliche und kommentierende Literatur. Ich lasse mich von einem Buch zum nächsten anregen. Aus Spaß lese ich Geistergeschichten und Krimithriller. Gar nicht lese ich Ratgeber-Bücher.

Lostpedia: Welche Art von Musik hören Sie am liebsten? Welche Art von CDs kaufen Sie?

Michael Emerson: Ich bin ziemlich wählerisch in Sachen Musik mit einem Hang zur Melancholie. Ich liebe Bach und Blues und Trip-Hop. Ich liebe Old Jazz und Live Bluegrass und Old Reggae und alles altmodische. Garagen-Bands, Nick Drake, Captain Beefheart, Nino Rota, usw. usw.

Lostpedia: Mein 15-jähriger Sohn ist ein angehender schauspieler. Was hat Ihrer Karriere am meisten geholfen und Sie in die Position einer größeren Rolle in einer so vollkommen beliebten Serie wie Lost gebracht?

Michael Emerson: Ich glaube nicht, dass es irgendetwas gibt, was man tun kann, um eine Rolle in einer "so vollkommen beliebten" Serie zu ergattern. Lerne, deine Arbeit zu lieben, lern es, sie gut zu machen, sei geduldig mit dir selber und geh dahin, wo deine Karriere dich hinträgt. Berühmtheit und Reichtum sind keine gesunden Ziele, auch wenn sie erreichbar sind. Schauspielerei ist ein schwieriges Geschäft und Glück ist ein großer Faktor. (Glück und Vorbereitung, natürlich.) Es kommt mir immernoch vor wie ein "monkish calling" und es verlangt viele Opfer und macht keine Versprechungen, egal was.

Lostpedia: Wie entscheiden Sie, welche Projekte Sie angehen möchten? Wonach schauen Sie in einem Skript (Film oder Fernsehen), dass Sie anspricht, es zu tun?

Michael Emerson: Ich richte mich nach dem besten Material wann immer es möglich ist. Ich suche nach Skripts mit hohem sprachlichem Anspruch - etwas Weissagendes, Mysteriöses, Herausforderndes und Gedankenanreizendes. Ich suche nach der Art von Projekten, die mich selbst als Zuschauer ansprechen würden.

Lostpedia: Da Sie ein Veteran des Theaters sind, würde ich gerne wissen, was Sie über die gegenwärtigen Interpretationen von klassischen Theaterstücken denken. Es scheint heutzutage Gang und Gebe, dass niemand ein Shakespeare-Stück inszeniert, ohne es so aufzufrischen, dass das moderne Publikum daran interessiert ist. Was denken Sie über die Versuche, den Meister zu "verbessern"?

Michael Emerson: Es gibt keine "angemessene" Zeit oder Stil für ein Stück von Shakespeare. Selbst in seinen Tagen wurden Shakespeares Stücke "interpretiert". Sie sind "Klassiker" weil sie immer wieder jede Art von Interpretation aushalten. Sie sind keine historischen Dokumente oder Relikte aus vergangener Zeit. Sie sind Poetik, deren Kraft durch die Metaphorik lebt. Wir führen die Stücke immer wieder auf, WEIL sie ihre Epoche überdauert haben, WEIL sie wunderbar interpretiert werden können. Das Aufführen von Nostalgie mit dem guten alten "traditionellen" Stil auf der Bühne ist eine falsche Vorstellung und ein Missverständnis vom Gebrauch vom Theater. Ich vermeide die Idee von fröhlichen Schauspielern in Kürbis-Kniebundhosen, die ihre Zinnkrüge aneinanderstoßen.(Man kann das jeden Tag im kolonialen Williamsburg bekommen.) Jede Produktion eines Shakespeare-Stücks ist eine Interpretation. Es gibt natürlich unterschiedlichen Erfolg und Misserfolg, gute Vorstellungen und schlechte, (und es sind mehr schlechte als gute) aber die besten Produktionen finden kraftvolle und beleuchtende Metaphern, die den Text überraschend neu machen. Es kann elisabethianisch sein oder post-apokalyptisch - was auch immer inspirieren würde. (Frage an den Fragensteller: In welcher Zeit trat Shakespeare´s Gesellschaft mit "Julius Caesar" auf?)

Lostpedia: Während die Dreharbeiten für Staffel 5 weitergehen, worauf sind Sie am meisten gespannt, was die kommende Staffel anbelangt?

Michael Emerson: Jede Staffel führt eine neue Dimension für die Erzählung der Story herbei - ich bin neugierig, was es diesmal sein wird.

Lostpedia: Wie war es möglich als jemand aus Iowa so erfolgreich zu werden? Wie hat das Aufwachsen dort Ihr Leben beeinflusst?

Michael Emerson: Meine Kindheit in Iowa war schön. Ich hatte eine Menge Bücher. Ein toller Ort, um aufzuwachsen, aber ein sehr praktischer Ort und keine Zukunft für einen ambitionierten Schauspieler.

Lostpedia: Bei Lost zu arbeiten muss ein hoher Zeitaufwand sein. Wann drehen Sie für die Staffel, was machen Sie in der restlichen Zeit (außer für den Emmy nominiert zu sein)? Wo wir schon darüber sprechen, wie haben Sie auf die Nominierung reagiert?

Michael Emerson: In der Restzeit versuche ich die Zeit mit meiner Familie zu verbringen und verfolge mein Interesse am Theater. Ich war außer mich als mein Agent mich über die Nominierung informierte, aber ich bin irgendwie abergläubisch und kann Ihnen nicht helfen, über diese zweifelhaften Vergnügen nachzudenken.

Lostpedia: Wenn Lost zu Ende ist, werden Sie dann zurück auf die Bühne gehen oder beim Fernsehen bleiben? Was bevorzugen Sie und warum?

Michael Emerson: Ich gehe dahin, wo es gutes Material gibt. Wahrscheinlich werde ich mich erst im Theater umschauen. Ich bevorzuge die Welt des Theaters wegen seiner Rituale und der Geschichte und weil dort alles über das Sprechen funktioniert. Für mich ist die Bühne mein Zuhause und auch meine Kirche.

Lostpedia möchte aufrichtig Herrn Emerson für die gegebene Zeit für dieses Interview danken.


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